Foto: Charles Duprat, © The Estate of Joseph Beuys Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac


Ursprünglich aus dem Minimalismus kommend, steht Konzeptkunst letztlich als Sammelbegriff für eine Weiterentwicklung der Tendenzen in der abstrakten Malerei und für unterschiedliche Kunstrichtungen wie Objektkunst oder Happening, die den Gedanken für die Bedeutung eines Kunstwerks als vorrangig erachten.

Als Soziale Skulptur bezeichnete Joseph Beuys sein Spannungsverhältnis zwischen Natur und Kultur, der mit seinem »Erdtelefon« schon 1968 die anthropologische Notwendigkeit feststellte, auf die »Stimme der Erde« zu hören und im steten Kontakt mit ihr zu bleiben.Von jeher haben sich die Künste in diesem Feld bewegt; ganze Epochen waren diesem Verhältnis gewidmet, lange jedoch ausschließlich als bildliche Repräsentation. Der Sprung der bildenden Kunst in das Reale beginnt mit der amerikanischen Konzeptkunst der 1960er Jahre. Die künstlerische Auseinandersetzung mit den Themen der Nachhaltigkeit kann sich genau auf diese Entwicklung stützen.


Mit den interaktiven Protestformen und inszenierten Streetart Flashmobs von Banksy gewinnt der kreative Protest zunehmend an Aufmerksamkeit. Als ein umfassendes Konzept kann Artivism verschiedenste Formen hervorbringen: Das Zentrum für Politische Schönheit schafft es mit seinen Aktionen gegen Rechts regelmäßig Austausch und Diskussion, sowie auch selbst an den Pranger gestellt zu werden. »Das Zentrum für Politische Schönheit ist die radikale Form des Humanismus: eine Sturmtruppe zur Errichtung moralischer Schönheit, politischer Poesie und menschlicher Großgesinntheit. Das Zentrum ist eine Verschmelzung der Macht der Phantasie und der Macht der Geschichte.« 47

Das Schöne mit dem Nützlichen verbindend beschreibt die Gesellschaftsform Degrowth: »Artivism ist die Clown Army (Clownsarmee), die die Einsatzschilder der Polizei küsst, um diese zurückzudrängen; es sind die Yes Men, die heimlich die Weltmedien infiltrieren, indem sie vorgeben, Konzernsprecher zu sein; es sind die Schwärme von FlamencotänzerInnen, die in Spanien Banken stilllegen, die Austerität vorantreiben; und es ist das Brandalism-Kollektiv, das Hunderte von Anzeigentafeln in Bushäuschen hackt und Werbung durch radikale Botschaften ersetzt. Dabei geht es keineswegs darum, politische Kunst zu machen oder Kunst über ein Thema, wie zum Beispiel eine Performance über die Krise von Geflüchteten oder ein Video über einen Aufstand. Es geht nicht darum, neue Sichtweisen auf die Welt zu zeigen, sondern darum, sie zu verändern. Also um die direkte Aktion. Die BefürworterInnen direkter Aktionen gehen davon aus, dass man Dinge am besten ändern kann, indem man selbst eingreift, anstatt andere dazu aufzufordern. Dies ist das genaue Gegenteil von Lobbyarbeit und Protestmärschen. Bei direkten Aktionen geht es darum, die Welt gemeinsam im Hier und Jetzt zu verändern. Indem wir direkten Aktionen den Geist der Kunst einhauchen, können wir unwiderstehliche Formen des Widerstands schaffen48


Artivism ist das Gestaltungsmaterial von Aktionsformen und Alternativen, die unsere kollektive Vorstellungswelt verändern und neu erfinden kann. Statt Pigmente und Leinwände, nutzen die Akteure das Gegebene der Öffentlichkeit. Die Straße wird zur Happening-Bühne und einer
Aktionskunst, die Ideen kraftvoll, theatralischer und  letztendlich visionär aufzeigen zu können.

Taktiken

Humor & Menschlichkeit: Artivismus soll provozieren,
und zwar ein Lächeln. Die Clowns sind ein gutes Beispiel, wie
verspielter Artivismus eine Methode für Menschen sein kann, sich in die radikale Politik einzumischen, die ansonsten durch ihre Ernsthaftigkeit abgeschreckt sein würden. Lachen ist eine Brücke. Für viele Akteure war es ihre erste Erfahrung mit zivilem Ungehorsam, aber das Schauspiel und die maskenhafte Make-up befähigten sie, zutiefst ungehorsam zu sein. Oft auf unerwartet absurde und kreative Weise Verwirrung zu stiften und auf Menschlichkeit abzuzielen, indem sie die Polizisten mit Lachen ablenkten.49

Merkmale und Qualitäten der Aktionen sind:

Umkonstruktion von Dingen
Innovation
Konfusion
Narrenfreiheit
Show, don’t tell