HUMAN CONNECTION



Human Connection ist ein aufstrebendes soziales Netzwerk einer neuen Generation, das sich auf lokalen und globalen positiven Wandel konzentriert. Die Gemeinschaftsplattform ist so konzipiert, dass der öffentliche Austausch von Nachrichten, Ideen, Projekten, Know-how und Erfahrungen gefördert wird, die dabei helfen können, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Das Soziale Netzwerk ergänzt Humans For Future
in seiner Idee sich zu vernetzen, inspirieren, Wissen auszutauschen und dabei zu organisieren.

WAS BRAUCHT HEUTIGER AKTIVISMUS?

©M.Wittek, Afd Wegbassen Demonstration, Mai 2018 Berlin

Artivismus als eine selbstverständliche, lebendige Entfaltung des Lebens im Älltäglichen integriert.

Für eine Verbreitung von Akti-/Artivismus in unserer Kultur braucht es:

➵ Teilnahme
➵ Aufmerksamkeit
➵ Medienstrategien
➵ partizipatorischen Bildungsansätzen, die das gemeinsam geteilte Wissen zu einer Mainstream-Kultur weiterentwickeln.

Wo Kunst nicht mehr als etwas elitäres abgetrennt wahrgenommen wird, sondern als Verb statt ein Substantiv verstanden ist. Eine neue Definition der KünstlerInnen spannt sich wie ein Spinnennetz über die breite Zivilgesellschaft aus und auch die Vorstellung verschwinden, dass allein AktivistInnen SpezialistInnen darin sind, Gesellschaftsstrukturen neu zu weben. Stattdessen begreift sich jedes Individuum als spiegelndes Atom des sozialen und politischen Transformationsprozesses, in der wir uns gegenseitig erkennen, inspirieren und Felder füllen. Mensch sein bedeutet auch ein Wesen artivistischer Akzente zu sein.

Es gibt bereits einige Ideen einer offene Gesellschaft der breiten Allianzen, die für eine neue Ära menschlicher Entwicklung auf Ästhetik und Nachhaltigkeit basiert. Eine Leitkultur in der Kunst nicht mehr nur Medium oder Mittel ist, sondern selbst Abbild des Suchens nach Wegen in ein postfossilen Zeitalter darstellt.49 Ist das Utopie, oder kann das weg?


Die ehem. Senatorin und Kuratorin Adrienne Goehler appelliert seit Jahren für innovative Lösungswege mit der Entstehung des Fond Ästhetik und Nachhaltigkeit. »Wir brauchen ein Mit-, nicht Nebeneinander der unterschiedlichen Wissensformen. Und wir brauchen eine offene Debatte darüber, ob sich ein Hochpreisland wie das unsere, das bekanntlich arm an Bodenschätzen und reich nur an der Ressource Kreativität ist, es sich leisten kann, bei der Jahrhundertaufgabe der Nachhaltigkeit auf das Können und Vermögen der Künste zu verzichten, bzw. sie überwiegend am oder unter dem Existenzminimum zu halten.« 50

© M.Wittek The wrong amazon is burning
Protest Brazil Embassy Berlin 24.8.2019

Die Erkennung der Wertigkeit und Wirkung von Kunst im Umgang mit globalen Herausforderungen bedingt ein notwendiges Kultur-Konzept.  Die Zehn Imperative der Fonds Ästhetik und Nachhaltigkeit versuchen eine Richtung vorzugeben:



Demokratisieren:
Die anhaltenden Krisen machen deutlich, dass wir die Welt und ihren Zustand nicht den Experten überlassen dürfen. Wir müssen selbst ran, jeder einzelne von uns.

Denken und Handeln:
in neuen Zusammenhängen und mit erweiterten Zielhorizonten für gesellschaftliche Transformation und Paradigmenwechsel.

Entfesseln:
unsere Fantasie, auf allen Ebenen.

Ausschwärmen:
in neue Organisations- und Bewegungsformen.

Verflüssigen:
Künstler/innen sollten eine Art Vorbildfunktion als Avantgarde und Anti-Expert/innen der flüssigen Moderne51 entwickeln, in der es keine Gewissheiten mehr gibt, sondern Positionen immer wieder neu überdacht werden müssen.

Zuhören, Beobachten, Veröffentlichen:
Das Unsichtbare sichtbar machen.

Aufladen:
Der im Politik- und Wissenschaftsbetrieb zerriebene Begriff Nachhaltigkeit muss mit neuer Kraft versehen werden; das gelingt nur, wenn wir Ästhetik und Nachhaltigkeit wechselseitig miteinander verknüpfen. 

Wahrnehmen:
Ästhetik ist die Summe aller unserer Wahrnehmungen zur
Erschließung komplexer Systeme. Sie ist kein Exklusivrecht der Kunst,
sondern sollte von jedem Einzelnen von uns (zurück-)erobert werden!

Zusammenführen und Bündeln:
Wir müssen die Silos unseres Denkens und die Trennung von Zusammenhängen durch Ressortorganisationen überwinden und unterschiedliche Handlungsfelder und Perspektiven bündeln. Die meisten wichtigen Fragestellungen fallen ansonsten durch die herkömmlichen Raster oder Profile unserer institutionellen und mentalen Selbstorganisation und würden deshalb nicht gefördert werden.  

Einsehen:
Obwohl erkannt wurde, dass neben dem Sozialen, Ökonomischen und Ökologischen das Kulturelle die vierte Dimension zur Entstehung von Kulturen der Nachhaltigkeit ist, folgte daraus bisher kaum die Einsicht für praktisches Handeln.  ❝

49 Vgl. Fond Ästhetik und Nachhaltigkeit  2012
50  Adrienne Goehler 2019
51 Flüssige Moderne: Zygmunt Bauman 2011


© Maximiliane Wittek #UNTEILBAR DEMO 13.10. Berlin

ARTIVISMUS

Foto: Charles Duprat, © The Estate of Joseph Beuys Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac


Ursprünglich aus dem Minimalismus kommend, steht Konzeptkunst letztlich als Sammelbegriff für eine Weiterentwicklung der Tendenzen in der abstrakten Malerei und für unterschiedliche Kunstrichtungen wie Objektkunst oder Happening, die den Gedanken für die Bedeutung eines Kunstwerks als vorrangig erachten.

Als Soziale Skulptur bezeichnete Joseph Beuys sein Spannungsverhältnis zwischen Natur und Kultur, der mit seinem »Erdtelefon« schon 1968 die anthropologische Notwendigkeit feststellte, auf die »Stimme der Erde« zu hören und im steten Kontakt mit ihr zu bleiben.Von jeher haben sich die Künste in diesem Feld bewegt; ganze Epochen waren diesem Verhältnis gewidmet, lange jedoch ausschließlich als bildliche Repräsentation. Der Sprung der bildenden Kunst in das Reale beginnt mit der amerikanischen Konzeptkunst der 1960er Jahre. Die künstlerische Auseinandersetzung mit den Themen der Nachhaltigkeit kann sich genau auf diese Entwicklung stützen.


Mit den interaktiven Protestformen und inszenierten Streetart Flashmobs von Banksy gewinnt der kreative Protest zunehmend an Aufmerksamkeit. Als ein umfassendes Konzept kann Artivism verschiedenste Formen hervorbringen: Das Zentrum für Politische Schönheit schafft es mit seinen Aktionen gegen Rechts regelmäßig Austausch und Diskussion, sowie auch selbst an den Pranger gestellt zu werden. »Das Zentrum für Politische Schönheit ist die radikale Form des Humanismus: eine Sturmtruppe zur Errichtung moralischer Schönheit, politischer Poesie und menschlicher Großgesinntheit. Das Zentrum ist eine Verschmelzung der Macht der Phantasie und der Macht der Geschichte.« 47

Das Schöne mit dem Nützlichen verbindend beschreibt die Gesellschaftsform Degrowth: »Artivism ist die Clown Army (Clownsarmee), die die Einsatzschilder der Polizei küsst, um diese zurückzudrängen; es sind die Yes Men, die heimlich die Weltmedien infiltrieren, indem sie vorgeben, Konzernsprecher zu sein; es sind die Schwärme von FlamencotänzerInnen, die in Spanien Banken stilllegen, die Austerität vorantreiben; und es ist das Brandalism-Kollektiv, das Hunderte von Anzeigentafeln in Bushäuschen hackt und Werbung durch radikale Botschaften ersetzt. Dabei geht es keineswegs darum, politische Kunst zu machen oder Kunst über ein Thema, wie zum Beispiel eine Performance über die Krise von Geflüchteten oder ein Video über einen Aufstand. Es geht nicht darum, neue Sichtweisen auf die Welt zu zeigen, sondern darum, sie zu verändern. Also um die direkte Aktion. Die BefürworterInnen direkter Aktionen gehen davon aus, dass man Dinge am besten ändern kann, indem man selbst eingreift, anstatt andere dazu aufzufordern. Dies ist das genaue Gegenteil von Lobbyarbeit und Protestmärschen. Bei direkten Aktionen geht es darum, die Welt gemeinsam im Hier und Jetzt zu verändern. Indem wir direkten Aktionen den Geist der Kunst einhauchen, können wir unwiderstehliche Formen des Widerstands schaffen48


Artivism ist das Gestaltungsmaterial von Aktionsformen und Alternativen, die unsere kollektive Vorstellungswelt verändern und neu erfinden kann. Statt Pigmente und Leinwände, nutzen die Akteure das Gegebene der Öffentlichkeit. Die Straße wird zur Happening-Bühne und einer
Aktionskunst, die Ideen kraftvoll, theatralischer und  letztendlich visionär aufzeigen zu können.

Taktiken

Humor & Menschlichkeit: Artivismus soll provozieren,
und zwar ein Lächeln. Die Clowns sind ein gutes Beispiel, wie
verspielter Artivismus eine Methode für Menschen sein kann, sich in die radikale Politik einzumischen, die ansonsten durch ihre Ernsthaftigkeit abgeschreckt sein würden. Lachen ist eine Brücke. Für viele Akteure war es ihre erste Erfahrung mit zivilem Ungehorsam, aber das Schauspiel und die maskenhafte Make-up befähigten sie, zutiefst ungehorsam zu sein. Oft auf unerwartet absurde und kreative Weise Verwirrung zu stiften und auf Menschlichkeit abzuzielen, indem sie die Polizisten mit Lachen ablenkten.49

Merkmale und Qualitäten der Aktionen sind:

Umkonstruktion von Dingen
Innovation
Konfusion
Narrenfreiheit
Show, don’t tell